Stille zieht uns nach innen zu den tieferen Wurzeln unseres Seins.
Hier nährt uns unsere Seele, hier können wir auftanken und
hier können wir helfen, unsere Welt zu erneuern.
Llewellyn Vaughan-Lee
Ein Wandel im Gewebe des Bewusstseins
von Llewellyn Vaughan-Lee (Juli 2026)
In den letzten zehn Jahren habe ich beschrieben, wie wir uns am Ende einer Ära befinden, in einer Zeit des Bardo, einem Zwischenzustand, in dem wir darauf warten, dass die neue Geschichte der Menschheit und der Erde Gestalt annimmt. Diese grundlegende Veränderung erfordert einen Bewusstseinswandel vom Getrenntsein hin zur Einheit – die Erkenntnis, dass wir keine isolierten Individuen sind, die von der Erde getrennt sind, sondern Teil eines lebendigen Ganzen, eines „gemeinsamen Seins“. Traurigerweise, tragischerweise hat die Geschichte des Getrenntseins zum gegenwärtigen Ökozid geführt, da wir die Erde als Ressource betrachten, die man ausbeuten kann, um unsere materialistische, seelenlose Zivilisation aufrechtzuerhalten. Materieller Wohlstand ging auf Kosten der Ökosphäre und unserer eigenen Seele – ein Verlust des Heiligen, das die Menschheit über Jahrtausende hinweg auf unsichtbare Weise getragen hat.
Die nächste Ära wartet darauf, geboren und Teil unseres Bewusstseins zu werden. Die Samen der Einheit sind überall um uns herum, doch wir leben noch immer in den Trümmern einer sterbenden Zivilisation, auch wenn manche vielleicht von einer technologischen Zukunft träumen. Obwohl ich die Geschichte der Gegenwart erzähle, halte ich es für hilfreich, einen Überblick über unsere Menschheitsgeschichte zu geben – um die Geschichte des menschlichen Bewusstseins auf seiner tiefsten, spirituellsten Ebene zu beschreiben und auch den bevorstehenden Wandel.
(Als Randbemerkung sei erwähnt, dass ein Großteil meiner frühen Schriften und Lehren aus den Jahren 2000 bis 2010 über das sich entwickelnde Bewusstsein der Einheit auf einer Reihe von Visionen beruhte, die ich über die Möglichkeiten dieses neu entstehenden Bewusstseins hatte. In meinen späteren Schriften sah ich mich jedoch gezwungen, mich mit einer düstereren Realität auseinanderzusetzen. Denn unsere kollektiven Entscheidungen, die oft von kurzfristigem Wirtschaftswachstum und Gier bestimmt sind, haben dazu geführt, dass wir noch Jahrzehnte lang in der spaltenden und ökologisch zerstörerischen Denkweise der Geschichte des Getrenntseins verharren werden. Ich glaube nach wie vor, dass die Samen der Einheit keimen werden, dass die Menschheit jedoch einen schwierigen, von Zerrissenheit geprägten Weg zwischen den Epochen beschreiten muss.)
EIN WANDEL IM GEWEBE DES BEWUSSTSEINS
Die erste Epoche der Menschheit, die vor mehr als dreihunderttausend Jahren mit ihrem Erwachen in der afrikanischen Savanne begann, war geprägt vom Bewusstsein der magischen Natur der Schöpfung. Die Seele der Menschheit und die Seele der Welt erwachten gemeinsam und alles wurde entsprechend seiner heiligen Natur lebendig. Damals wurden den ersten Menschen die Namen der Schöpfung offenbart, und dadurch wurden sie mit der spirituellen Natur der Welt verbunden. Dies spiegelte sich auch im Volk der San in der Kalahari wider, für welches Kaggen sowohl ein Schöpfergott als auch eine Trickster-Gottheit war, die sich in verschiedene Tiere verwandeln konnte. Für diese frühesten Völker war die Natur im Geist lebendig, und sie waren Teil dieser numinosen Realität, in der die innere und die äußere Welt miteinander verschmolzen waren.
Dann, vor zehntausend Jahren, begann sich das menschliche Bewusstsein mit dem Erwachen eines höheren Bewusstseins – des göttlichen „ICH BIN“1 – zu wandeln. Aus diesem Bewusstsein heraus wurde sich die Menschheit allmählich einer transzendenten Göttlichkeit und schließlich eines monotheistischen Gottes bewusst. Das Göttliche wurde nicht nur in der natürlichen Welt und all ihren Geschöpfen erkannt, sondern auch in der unsichtbaren Welt des Himmels, die oft erst nach dem Tod erfahren wurde.
Dieser Bewusstseinswandel ging mit der Entwicklung vom Jäger- und Sammlerdasein zum Ackerbau einher, als die Menschheit eine Trennung von der natürlichen Welt zu erfahren begann. Die Menschen ließen ihren nomadischen Lebensstil hinter sich und zogen in dauerhafte Siedlungen, und so bildeten sich Zivilisationen. Die erste sumerische Zivilisation entstand zwischen 4500 und 4000 v. Chr. im südlichen Teil Mesopotamiens. In den folgenden Jahrtausenden brachten die verschiedenen Zivilisationen die Schrift, den Pflug, den Wagen mit Rädern und die 60-Minuten-Stunde hervor.
Die Entwicklung von egalitären Jäger- und Sammlergruppen hin zu Siedlungen, Städten und Zivilisationen brachte Herrscher hervor, die sich diesen Bewusstseinswandel zunutze machten und Göttlichkeit, ein göttliches Herrschaftsrecht oder das „Mandat des Himmels“ für sich beanspruchten. Doch während diese Herrscher miteinander kämpften und Zivilisationen entstanden und untergingen, vollzog sich im Verborgenen eine spirituelle Entwicklung. Sie wurde von spirituellen Meistern zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten gelenkt – sei es in den Mysterienschulen des antiken Griechenlands, in den Bergen Tibets oder in Zen-Klöstern. Sie bewahrten das subtile Gleichgewicht zwischen den Welten und halfen der Menschheit, Erfahrungen zu machen und ein Verständnis dieser verschiedenen Dimensionen oder spirituellen Sphären zu entwickeln – von der undifferenzierten Essenz oder dem unerkennbaren Gott bis hin zum reinen Licht der Schöpfung, den symbolischen imaginären Sphären und schließlich der physischen Welt. Ihre Lehren finden sich in den kabbalistischen Sephirot wieder, den „Kanälen der göttlichen schöpferischen Lebenskraft oder des göttlichen Bewusstseins, durch die sich die unerkennbare göttliche Essenz der Menschheit offenbart“, oder in den Kammern des Herzens der Sufi-Mystik, die eine innere Reise von der physischen Welt hin zur Einheit der göttlichen Liebe und schließlich zur geheimsten Essenz beschreiben.
Das göttliche „ICH BIN“ schuf eine zentrale spirituelle Achse innerhalb der Schöpfung, eine direkte Verbindung zum ungeschaffenen Gott. Als die Menschheit zunehmend für das transzendente Göttliche erwachte, wie es in vielen Traditionen geschah, wurden spirituelle Praktiken entwickelt, um mit dieser Achse zu arbeiten. Die Praxis der Meditation, wie sie beispielsweise in den Upanishaden zum Ausdruck kommt, war ein Weg, um die physische und mentale Welt zu transzendieren und unsere unsterbliche Natur, den Atman, oder sogar die höchste Wirklichkeit, den Brahman, zu verwirklichen. Die „Ursprünglichen Weisungen“2 beschreiben den spirituellen Sinn der Menschheit: Er liegt im Lobpreisen und Danksagen – in der Beziehung zum Göttlichen, das sowohl innerhalb als auch jenseits der Schöpfung gegenwärtig ist. Diese spirituelle Achse verband die Menschheit mit der göttlichen Quelle und drückte sich in vielen verschiedenen Formen des Gebets und des Lobpreisens aus. Dadurch wandten wir uns dem zu, was jenseits der physischen Welt liegt. Tausende von Jahren später fand dies im Sufismus im „Urbund“ seinen Ausdruck, als unsere präexistenten Seelen erkannten: „Er ist der Herr.“ Über Jahrtausende hinweg leiteten die Meister des Lichts die Menschheit. Sie gaben uns die Weisheit, die Werkzeuge und das göttliche Licht, um uns bei unserer Evolution zu unterstützen und uns dabei zu helfen, die Tiefe und die Qualitäten unserer göttlichen Natur zu erkennen.
Und nun sind wir am Ende dieser Ära angelangt, und diese zentrale Achse schwindet aus unserem Bewusstsein, noch bevor sich eine neue Ausdrucksform entwickeln konnte. Wir haben die instinktive Einheit mit der Natur längst verloren. Wir leben nicht mehr in einem kollektiven Zustand des Gebets oder des Lobpreisens und leben auch nicht mehr die innere Verbindung der Seele in unserem Alltag. Wir sind gefangen in einem materialistischen Traum, dem materialistischen Reduktionismus oder dem Szientismus, der davon ausgeht, dass nur die Materie und die konkrete Welt um uns herum existieren – das, was von den Naturwissenschaften erforscht werden kann. In unserem kollektiven Bewusstsein haben sowohl unser individuelles Selbst als auch die Natur ihre Seele verloren.
Dieser Traum, oder Albtraum, existiert in unserem kollektiven Bewusstsein erst seit wenigen hundert Jahren, gegenüber Tausenden. Und doch sind wir völlig in seinen Bann gezogen und haben eine beseelte Welt vergessen. Wir leben einen sterbenden Traum, der unser Ökosystem zerstört, und treten in eine Zeit des Übergangs zwischen den Epochen ein. Wir müssen die gegenwärtigen Strukturen erkennen – die spezifischen Verflechtungen von Kapital, Ausbeutung und politischer Macht, die den Ökozid für einige wenige profitabel und für den Planeten katastrophal gemacht haben. Gleichzeitig müssen wir akzeptieren, dass unsere gegenwärtige Geschichte mit ihren Fantasien von Fortschritt und ewigem Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig ist und dass sie zusammen mit der Klimakrise möglicherweise einen gesellschaftlichen Zusammenbruch herbeiführen wird. Auf einer tieferen Ebene haben wir jedoch kollektiv kaum ein echtes Bewusstsein für das Chaos, das sich unter der Oberfläche zusammenbraut – dafür, was es bedeutet, an der Bruchlinie zwischen zwei Epochen zu leben.
Es gibt Anzeichen für das kommende Zeitalter und seine Entwicklungsmuster. Es wird eine Zeit der Einheit sein, in der wir ein Bewusstsein für die vernetzte Welt der Natur entwickeln, für die lebendige Einheit, der wir angehören. Wir werden eine neue Beziehung zur Erde, zum Boden, aufbauen müssen – eine Beziehung, die auf Respekt basiert und nicht auf dem Mythos des Getrenntseins, der es uns ermöglicht hat, die Erde nach Belieben auszubeuten. Es besteht die Möglichkeit, das heilige Bewusstsein unserer frühesten Vorfahren mit der Erkenntnis der verschiedenen Ebenen der Realität und ihrer Wechselbeziehungen zu vereinen – eine Vereinigung von Geist und Materie, die einige bereits in den Entdeckungen der Quantenphysik vorweggenommen sehen. Und es gibt die Prophezeiung, dass das nächste Zeitalter eine Qualität des kosmischen Bewusstseins miteinschließen wird – den Traum der Erde innerhalb eines kosmischen Traums.
Wie die nächste Ära anbrechen wird, wissen wir nicht. Sicher ist nur, dass sie sich völlig von unserer gegenwärtigen Ära unterscheiden wird. Alle unsere derzeitigen Zukunftsvorstellungen basieren auf Bildern der vergangenen Epoche und sind daher untauglich. Gleichzeitig werden sich die Meister zurückgezogen haben und ihre Führung wird nicht mehr direkt zugänglich sein. Es wird eine Zeit sein, in der die Menschheit die Verantwortung für ihre eigene Entwicklung und das Wohlergehen des Planeten übernehmen muss. Die Samen für diese neue Ära sind bereits gesät. Doch bevor die nächste Epoche entsteht und Form annimmt, muss die Menschheit eine Zeit wachsender Unsicherheit sowie sozialer und ökologischer Instabilität durchleben und ertragen.
Die Meister haben alles ihnen Mögliche getan, um die Menschheit und die Erde auf diese nächste Ära ihrer gemeinsamen Evolution vorzubereiten. Die Samen der Einheit sind in der gesamten Schöpfung gegenwärtig. Die spiralförmige Achse der Liebe, die sich durch die Schöpfung zieht, hat eine neue Note, „die die Einheit des Lebens feiert und die Erde zu ihrem Platz im Kosmos erwecken kann“. Doch der Katalysator für die nächste Epoche ist noch nicht da. Und die spirituelle Energie, die in den sechziger Jahren in den Westen kam und diesen Übergang unterstützen sollte, wurde allzu schnell korrumpiert und verfing sich in egoistischen Verzerrungen.3 Wir treten in eine Zeit der Verdunkelung des Lichts ein.
Jede Epoche hat eine zentrale spirituelle Qualität oder Essenz. In der ersten Ära erwachte die Menschheit zusammen mit der Erde zum Bewusstsein für das Heilige in der Schöpfung und ihre magische Natur – eine vollkommen belebte Erde. Alles war eine lebendige Einheit, in der Geist und Materie vereint waren. Im Mittelpunkt der zweiten Ära stand die spirituelle Energie des göttlichen „ICH BIN“, die uns für die ewige, transzendente Natur des Göttlichen erweckte. Wir erhielten Praktiken, um diese innere Dimension unseres tieferen Selbst zu erfahren und um das Eine Wesen auf vielfältige Weise zu preisen.
Das grundlegende Problem besteht darin, dass die Menschheit seit ihrem Erwachen vor Hunderttausenden von Jahren inzwischen kollektiv vergessen hat, dass das Leben einen spirituellen Kern hat und ein direkter Ausdruck des Göttlichen ist. Es ist diese kollektive Verleugnung, die mich beunruhigt. Deshalb habe ich wiederholt den Satz gesagt: „Wir sind an einer Tür angelangt, die noch nie zuvor geöffnet wurde.“ Die Muster der Seele und der Weltseele stehen in verborgener Resonanz – sie entwickeln sich gemeinsam. Doch über unserer Seele und der Weltseele hat sich ein Schatten gelegt. Dieser Schatten macht sich spürbar im Mangel an heiligem Sinn in unserem Alltag, ebenso wie in der Entweihung und Zerstörung der Ökosphäre und ihres fragilen Gleichgewichts. Er zeigt sich auch in einem gewissen Nihilismus, der in unser kollektives Bewusstsein Einzug gehalten hat. Er kann jedoch auch unser energetisches Ökosystem auf eine Weise beeinflussen, die wir noch nicht einmal ansatzweise verstehen, indem er den Energiefluss von der inneren zur äußeren Welt verändert, durch den die Erde seit Jahrtausenden genährt wird. 4
Der Übergang zwischen zwei Epochen ist eine Zeit zunehmender Unsicherheit und kann auch die nächste Ära beeinflussen. Wir können konkret beobachten, wie das von uns verursachte ökologische Ungleichgewicht das Leben auf diesem Planeten über Jahrtausende hinweg verändern kann, doch dies ist nur der äußere Ausdruck eines tiefer liegenden Ungleichgewichts. Es ist schwer mitanzusehen, wie diese verzerrenden Muster die Erde überziehen und dabei zu spüren, was verloren gehen kann. Zugleich wissen wir, dass die Meister nicht mehr anwesend sein werden, um dabei zu helfen, die Welten im Gleichgewicht zu halten. Ihre Arbeit, mit der sie die spirituelle Entwicklung der Menschheit und der Erde über Jahrtausende hinweg geleitet haben, wurde versiegelt, sodass sie weder korrumpiert noch rückgängig gemacht werden kann.5
Ein zentrales Merkmal dieses Übergangs ist, dass sich das Gewebe des Bewusstseins selbst verändert und die Denkmuster unseres Verstandes dies nicht erfassen können. Deshalb wird diese Veränderung als „völlig anders“ erlebt werden. Sie wird aus einer neuen Bewusstseinsqualität hervorgehen, die sich allmählich entfalten wird.
Dieses Energiefeld des Bewusstseins, das die Ch’an-Buddhisten als „jene schöpferische Leere im Herzen des Kosmos“ beschrieben haben, ist die Wurzel, aus der unser individuelles Bewusstsein entspringt. Es ist in jedem Menschen vorhanden, auch wenn es verschleiert ist, überdeckt von all den Konditionierungen und Mustern unseres Verstandes und unseres Ego-Selbst.6 Und sein Bewusstseinsspektrum verändert sich. Wahre menschliche Evolution ist die Evolution des Bewusstseins, und dieser Wandel ist es, der unsere Welt und unsere menschliche Erfahrung verändern und die Zivilisationen der Zukunft erschaffen wird. Wir glauben, dass die Menschheit ihre eigene Zukunft bestimmen wird, ohne diese tieferen Kräfte zu erkennen, und ohne zu begreifen, was es bedeutet, dass eine Ära zu Ende geht und eine neue darauf wartet, geboren zu werden.
Eines Nachts, als das Jahr 2025 sich dem Ende zuneigte, durfte ich diese neue Qualität des Bewusstseins direkt erfahren. Sie war zugleich einfach und tiefgehend. In unserem gegenwärtigen Bewusstseinszustand gibt es eine Trennung zwischen Subjekt und Objekt – wir nehmen uns selbst als separates Individuum wahr, das von der uns umgebenden Welt getrennt ist. Dies ist ein zentraler Aspekt unseres gegenwärtigen Bewusstseins, auch wenn die Quantenphysik im letzten Jahrhundert die klassische Annahme einer vollständigen Trennung zwischen Beobachter und Beobachtetem in Frage gestellt hat. In diesem neu erwachenden Bewusstsein gibt es keine Trennung, vielmehr floss mein individuelles Bewusstsein in die Außenwelt und verband sich unmittelbar mit dem, was mich umgab. Ich war auf eine Weise, die unser gegenwärtiges Bewusstsein nicht erfassen kann, voll und ganz Teil einer organischen Ganzheit, Teil eines einheitlichen Bewusstseinsfeldes, in dem es keine Trennung gab. Dies war keine Idee von Einheit, sondern ein direkt erfahrenes, lebendiges „Zusammengehören“.
Indem wir unsere Verbundenheit mit der Welt, der wir angehören, unmittelbar erfahren, werden uns diese Veränderungen letztendlich zu dem zurückführen, was am natürlichsten und grundlegendsten ist. Die ursprünglichen Muster der Verbundenheit gehören zu unserem natürlichen Selbst, auch wenn wir das vergessen haben. Dieses erwachende Bewusstsein ist jedoch nicht dasselbe wie die instinktive Einheit mit der Natur, die unsere frühesten Vorfahren, die Jäger und Sammler der Altsteinzeit, besaßen. Es hat die Qualität eines bewussten Erkennens, das aus der heutigen Zeit stammt, während es uns wieder mit dem größeren Ganzen verbindet. Dieser Übergang hat bereits begonnen und ist am gegenwärtigen Rückzug des Lichts sowie am wachsenden Bewusstsein für die dem Leben innewohnende Einheit und ihrer ökologischen Wechselbeziehung erkennbar. An seiner Wurzel steht dieser Wandel im lebensspendenden Gewebe des Bewusstseins, das zu unserem gemeinsamen Schicksal gehört – zu unserer gemeinsamen Reise mit der Erde.
Während dieser Wandel stattfindet, klammert sich die Menschheit an die Muster der Vergangenheit, an die Bildern, die wir verstehen können. Schon jetzt wirken Kräfte der Regression, die uns in alte Muster von Hierarchie, Macht und Kontrolle zurückziehen. Nur wenige werden mutig oder waghalsig genug sein, das noch Formlose anzunehmen, und das Unbekannte willkommen zu heißen, während sie mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Doch diese Menschen und Gemeinschaften werden Orte sein, an denen die Samen der Zukunft zuerst sprießen und diese neue Bewusstseinsqualität willkommen geheißen werden wird. Im tiefsten Sinne wird dieser Wandel völlig natürlich sein und eine Einfachheit besitzen, die dem Elementaren eigen ist: das Leben, das sich regeneriert und neu erschafft.
Inverness, California, 2026
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1 2. Mose 3,14: „Gott sprach zu Mose: ‚ICH BIN DER, DER ICH BIN.‘“ Dieser Name steht für Gottes ewiges Wesen und seine Selbstgenügsamkeit. Er drückt aus, dass Gott aus sich selbst heraus existiert, unveränderlich ist und nichts außerhalb seiner selbst benötigt. Dies spiegelt auch Brahman wider, der namenlose, formlose, transzendente Gott der Upanishaden: „Ich bin Brahman.“ (Brihadaranyaka-Upanishad)
2 Die alten indigenen Lehren und Naturgesetze betonten ein Leben im Gleichgewicht, in gegenseitiger Achtung und im Respekt gegenüber der Erde.
3 Da der konsumorientierte Kapitalismus die Spiritualität vereinnahmt hat, wurde das spirituelle Erwachen zu einem Mittel der Stressbewältigung und der Steigerung des Wohlbefindens, anstatt zu einer Disziplin zur Überwindung von Verstand und Ego.
4 Traditionell gilt die geschaffene Welt als Manifestation des Ungeschaffenen. Ein Beispiel dafür ist im Tao the King zu finden: „Das Tao erzeugt das Eine, das Eine erzeugt die Zwei, Die Zwei erzeugt die Drei, die Drei erzeugt die abertausend Wesen.“ (Tao Te King, Kap. 42, Ansata Verlag, Wolfgang Kopp).
5 Mir wurde gezeigt, dass der Qutb (der Pol) und die Abdal (die Stellvertreter) weiterhin die spirituelle Achse der Welt, die Axis Mundi, unterstützen werden. Doch die Vorstellung einer Hierarchie verwirklichter spiritueller Meister, die im Inneren zum Wohl der Menschheit wirken – wie sie in Traditionen wie der Khwajagan im Nahen Osten, des tibetischen Buddhismus und in bestimmten indischen spirituellen Überlieferungslinien zu finden ist –, scheint aus der spirituellen Vorstellungswelt unserer heutigen Kultur zu verschwinden.
6 Als Buddha zur Erleuchtung gelangte, erkannte er, dass „alle fühlenden Wesen bereits die Buddha-Natur besitzen, ihre wahre Natur jedoch durch Verblendung und Anhaftung verdeckt ist“.
Übersetzung: Ursula Hofer
Lektorat: Bernd Jost & Sabine Reinhardt-Jost
Artikel in Englisch auf der Working with Oneness Website